26.01.2018 | Kreatives

Vom Pinselstrich bis zur Postkarte

Ich liebe es, mit Wasserfarben zu experimentieren! Zwar ist es noch ein weiter Weg bis zu den „großen Werken“, aber es ist ja bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen 🙂 Was mich besonders fasziniert, ist die Kombination aus eigenen Aquarellbildern und ditigalem Lettering. Dazu muss man Ersteres bloß irgendwie hübsch auf ein digitales Endgerät bekommen.

Im Folgenden erfahrt ihr, wie ich dabei vorgehen. Teures Profi-Equipment: Fehlanzeige! Wenn man ohnehin lettert, ist diese Anleitung hier kinderleicht nachgemacht 🙂



Aquarellbild anfertigen
Trocknen lassen / föhnen
Scannen
Ggf. übermitteln
Bearbeiten
Beschriften
Drucken



1.Aquarellbild anfertigen

Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Tupf und tusch dir zurecht, was dir in den Sinn kommt. Ich mag es gerne, wenn nur ein bzw. wenige Motive auf weißem Hintergrund zu sehen sind. Die Vorgehensweise bei der Erstellung der Motive variiert sehr stark. Ich arbeite mit Aquarellbuntstiften, mit Wasserfarben (z.B. von Ecoline) oder auch mit den Tombowbrushpens (entweder direkt auf dem Papier oder mit Vorbereitung der Farbe auf einer Folie). Bei dem heutigen Beispiel habe ich die Wasserlöslichkeit der Brushpens genutzt. Dazu male ich mit der Farbe meiner Wahl auf einer Folie und gebe dann etwas Wasser hinzu. Anschießend einmal mit dem Pinsel rühren und fertig ist die Wasserfarbe fürs Bildchen. Warum ich nicht direkt aufs Papier male und es dann verwische? Das gefällt mir einfach nicht so gut. Ich finde, es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn man mit einem richtigen Pinsel malt. Außerdem gelingt mir das auch einfach besser; male ich direkt auf das Papier, bleiben hin und wieder die ursprünglichen Linien vorhanden, ich bekomme sie also nicht vollständig verwischt. Vielleicht ein netter Effekt, aber das sollte dann schon gewollt sein 😀  
 
Aber nun geht’s los. Am liebsten verwende ich das satinierte 300 g/m2 Aquarellpapier (z.B. von Hahnenmühle). Es ist richtig schön glatt, was den Vorteil hat, dass später beim Scannen keine rauen Strukturen mit gescannt werden. Durch die Arbeit mit unterschiedlichen Farbnuancen wirkt das Ergebnis direkt etwas effektvoller. Wichtig ist, dass der Pinsel vor dem Wechsel jeder Farbe gründlich von der vorangegangen Farbe befreit wird (außer ein Vermischen ist gewollt). Ansonsten entsteht nachher ein Einheitsbrei und man hätte die Farben auch vorher mischen können. Wenn ich mit zwei bis drei Farben arbeite, benutze ich auch mal drei unterschiedliche Pinsel - das vereinfacht das Vorgehen ungemein. Natürlich verlaufen die Farben trotzdem ineinander, wenn sie noch nicht getrocknet waren, aber man erkennt am Ende doch, dass man unterschiedliche verwendet hat.

Nicht selten zeichne ich die geplanten Bilder einmal mit Bleistift vor (habe ich hierbei jetzt nicht gemacht). Du solltest aber darauf achten, dass der Bleistift so weich ist, dass du ihn rückstandslos wieder entfernen kannst. Achtung: Bei hellen Aquarellbildern bzw. wenig deckenden Farben, leuchten die Bleistiftlinien mit Chance am Ende noch durch, können aber eventuell nicht mehr wegradiert werden. Mein Vorschlag: Radiert die Linien genau so weg, dass sie nur noch miniminiminimal zu sehen sind oder tuscht nicht ganz bis an die Linien heran, sodass diese am Ende noch frei liegen und entfernt werden können.


2. Trocknen lassen / föhnen

Ich bin ein äußerst ungeduldiger Mensch. Das hatte bereits viele, eigentlich zufrieden stellende, am Ende aber doch verwischte Bilder zur Folge. Ich konnte es einfach nicht abwarten, hab mir gesagt „Das wird schon reichen“, hab es dann versehentlich mit der Hand verwischt, die Farben sind ineinander gelaufen oder die schwarzen Linien zur Umrandung haben sich teils aufgelöst. Hurra. Nochmal! Das hab ich vielleicht drei Mal gemacht, dann hatte ich die Faxen dicke. Die Anschaffung eines Mini-Heißluftföhns (eigentlich für Embossing-Arbeiten gedacht) war meine Rettung! Er trocknet mir jedes Bild im Nu und das auch zuverlässig. Ich möchte ihn nicht mehr missen.

Einmal das Bild im Licht betrachten - es glänzt nichts mehr? Es ist trocken. Vorsichtig noch einmal mit dem Finger tupfen und kontrollieren - ja, trocken. Super! Das ist wichtig für den nächsten Schritt, denn wer möchte schon Wasserfarben auf seinem Scanner haben?!


3. Scannen

Ich habe einen Drucker von Canon. Um kabellos scannen zu können, musste ich mir das kostenlose Programm „Canon my Image Garden“ herunterladen. Dort kann ich auch bereits kleine Verbesserungen vornehmen, wie beispielsweise Beschneiden, Drehen, Kontrast ändern. Alle vorangehenden Einstellungen (Größe und Format) wähle ich im Menü meines Druckers aus.

Und dann läuft es wie von alleine. Drucker scannt und wenig später erscheint Bildchen auf meinem Desktop. Tolle Sache, muss ich sagen 😀 Inzwischen hast du aber auch die Möglichkeit, ohne Drucker zu scannen. Ich habe vorerst selbst immer mit einem Programm (Scanner Pro) auf meinem Ipad gescannt. Allerdings waren die Ergebnisse immer so stark vom Tageslicht und überhaupt vom Lichteinfall abhängig, dass ich nun umgestiegen bin. Aber vielleicht hast du ja selbst eine gute App parat 🙂


4. Ggf. übermitteln

Wer Photoshop hat - Neid! Für den Umgang damit kann ich euch leider keine Tips geben, weil ich noch nicht in den Genuss dieses Equipments gekommen bin *jammer*. Aber man weiß sich ja zu helfen hihi. Ich verwende zur Bearbeitung „Lightroom CC“ auf dem Ipad. Also speichere ich das frisch gescannte Bild in der Dropbox und wechsele anschließend zum Tablet. Natürlich gibt es auch andere Übermittlungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel eine Cloud. Ich habe mich allerdings für die Dropbox entschieden, weil ich persönlich die Handhabung sehr einfach finde und einfach von ÜBERALL auf meine Sachen zugreifen kann.


5. Bearbeiten

Nun geht’s ans Eingemachte. Und dabei sollte jeder machen, was ihm am besten gefällt. Mein Ziel ist es meistens, die Farben möglichst wenig anzutasten, sondern den Hintergrund anzupassen. Ich möchte, dass die bräunliche Färbung des Aquarellpapiers verschwindet, der Hintergrund schön weiß und hell wird. Dafür regele ich erst einmal die Helligkeit (bei der Einstellung „Licht“) nach oben (rechts). Dadurch wird natürlich auch das Motiv heller. Also schiebe ich den Regler für Lichter und Tiefen etwas nach unten (links). Dann schiebe ich Weiß noch etwas nach oben und Schwarz in die entgegengesetzte Richtung. Bei den Tiefen und bei Schwarz bin ich sehr flexibel. Ich muss gestehen, dass ich häufig bei jedem Bild neu rumprobiere, wie es mir am ehesten zuspricht. Das muss auch jeder für sich selbst herausfinden 🙂 Ab und zu spiele ich anschließend noch etwas mit der Färbung herum; ein bisschen mehr blau oder rosa oder doch ein bisschen weniger Sättigung? Je nach Lust und Laune!
 

6. Beschriften

Das bearbeitete Bild wird abgespeichert und bei mir anschließend in Procreate (Kosten: ca. 11 €) wieder hochgeladen. Eine neue Ebene wird erstellt und dann wird fröhlich gelettert. Es gibt hier tolle, unterschiedliche Pinsel und unfassbar viele Einstellungsmöglichkeiten. Man kann sich so richtig austoben, experimentieren und immer wieder neue Ergebnisse schaffen. Wenn du eine Beschriftung entworfen hast, die dich zufrieden stellt, wird das Bild fix gespeichert. Ich speichere es gerne als JPEG. Bei Photoshop kann man, glaube ich .png wählen, sodass der Hintergrund transparent ist. Das würde die vorangegangene Bearbeitung des Hintergrunds in meinem Fall irrelevant machen (hach, ich brauche Photoshop 😀 ).


7. Drucken

Die richtige Druck-App für das Ipad habe ich noch nicht gefunden (habe aber auch noch nicht intensiv danach gesucht, muss ich gestehen). Ich packe das Bild wieder in die Dropbox und öffne es dann am PC erneut. Ich speichere ohnehin gerne alle Bilder einmal auf dem Laptop, von daher macht die erneute Übermittlung Sinn. Du kannst aber sicherlich auch vom Tablet aus die entsprechenden Druckeinstellungen vornehmen mit der entsprechenden App. Zunächst mache ich mich nun an der Papierzufuhr meines Druckers zu schaffen. Ich lege eine vorgefertigte, blanko Postkarte ins Fach und schließe dieses. In dem Moment fragt der Drucker mich dann höflicher Weise nach der bevorzugten Einstellung. Ich wähle die Einstellung „Hagaki“. Der Begriff stammt aus dem Japanischen und steht für „Postkarte“. Ich weiß, Klugscheißer mag keiner 😀  Ich bin jetzt nicht gerade ein Technik-Experte. Vielleicht schlägt ein mancher jetzt die Hände über dem Kopf zusammen und fragt sich „Warum nimmt sie nicht einfach die und die Einstellung?!“. Sorry Leute, es klappt so halt, also mach ich es einfach 😀 „Postkarte“ leuchtet ja irgendwie auch ein. Dann wähle ich auf dem Laptop im Druckmenü „Postkarte“, „randlos“ „an Seite anpassen“ und ab geht die Lutzi. Es knirscht beim Drucken immer so, dass ich denke, die Karte kommt niemals heile raus. Aber bis auf, dass ich sie hin und wieder immer mal wieder viel zu oft dämlicher Weise verkehrt herum reinlege - es klappt! Meine Postkarten sehen aus, wie Postkarten meiner Meinung nach aussehen sollten 😀  

 
Ärgerlich ist natürlich, wenn du JETZT beim genauen Hinsehen feststellst, dass du Bleistiftlinien gescannt und sorgfältig mit ausgedruckt hast. Passiert mir immer mal. Überprüfe das also vorher genauestens. Wenn du dann die Karte richtig herum in den Papiereinzug legst, kann eigentlich nichts mehr schief gehen 🙂 Ich hoffe, ich konnte vielleicht ein bisschen behilflich sein 🙂 Frohes Postkarten-gestalten allerseits!

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