Das Loch im Filter

Der Filter

Elaine Aron, die kalifornische Psychologin, die den Begriff der Hochsensibilität maßgeblich prägt, hat sich von der Annahme distanziert, dass es einen „Filter“ gibt, der bei einer hochsensiblen Person (im Folgenden HSP) nicht in der Lage sei, Irrelevantes zu filtern. Sie beruft sich dabei darauf, dass dies ja im Umkehrschluss bedeuten würde, dass der „Filter“ eines Normalsensiblen bestimmen würde, welche Reize relevant seien und welche nicht.  Dem stimme ich zu. Ich finde jedoch, dass die Veranschaulichung mithilfe der Vorstellung eines Filters am besten gelingt. Nur dass ich nicht behaupten würde, der Filter einer HSP sei nicht in der Lage, Irrelevantes zu filtern, sondern er filtert einfach nicht oder nicht so viel. Dabei ist es nicht wichtig, ob nach relevant oder irrelevant sortiert wird, sondern Fakt ist, es gelangen mehr Reize bzw. Differenzierungsmerkmale hindurch. Um eine Relevanz zu definieren, braucht es schließlich einen Bezugswert; also „relevant wofür?“. Und das hängt von Mensch, Situation und Befinden ab, weshalb ich einfach festhalten würde, dass der Filter einer HSP ein Loch oder Löcher hat und daher nicht so viel filtert, wie er es bei weniger sensiblen Personen tut, oder sogar gar nicht. (ich spreche dabei von einem Filter und seiner Funktion, wie ich es verstehen und erklären kann. Dieser Beschreibung der Filterfunktion liegt keine wissenschaftlich / psychologisch fundierte Untersuchung oÄ. zugrunde. Weitere im Folgenden beschriebenen Fakten basieren hingegen auf Forschungsergebnissen)   

Was Hochsensibilität bedeutet

Aber mal zum Anfang – warum sprechen wir überhaupt von einem Filter. Wo liegt der  und was soll er filtern? Es handelt sich dabei um eine Art Filter in unserem Nervensystem. Jeder Mensch genießt es, wenn seine Nerven nicht unter- aber auch nicht überfordert werden, wenn wir ein ausgewogenes Maß an Stimulation des Nervensystems genießen. Ist das Nervensystem aber überreizt, weil zu viele Reize darauf einwirken, so hat dies Folgen für das Wohlbefinden; wir fühlen uns müde, genervt, überfordert, werden manchmal auch tollpatschig und hibbelig. Nun ist die eigentlich optimale Reizschwelle einer HSP viel schneller überschritten, als bei Anderen. Diese abweichende Erregbarkeit wird größtenteils vererbt.  Das bedeutet nicht, dass wir als HSP mehr riechen, schmecken hören etc. Da kommt für mich der Filter ins Spiel: der Filter einer HSP lässt mehr Differenzierungsmerkmale (dass mehr Differenzierungsmerkmale identifiziert werden,  ist keine These von mir, sondern stammt aus einschlägiger Literatur) durch. Die Forschung macht deutlich, dass wir nicht mehr aufnehmen, sondern Wahrgenommenes anders verarbeiten. Wir hören genau so viel wie normal sensible Menschen, aber da „der Filter Löcher hat“, die Informationen auf dem Weg ins Gehirn oder im Gehirn anders verarbeitet werden, nehmen wir viel mehr Feinheiten wahr

Was unsere Nerven erregt

Da unser Nervensystem sich nun mit deutlich mehr Differenzierungsmerkmalen, Feinheiten auseinandersetzen muss, wird es schnell sehr stark erregt. Dies geschieht durch Gerüche und Geräusche, aber auch durch Gefühle, wie Angst, Freude oder Neugierde. Viel findet auch unterbewusst statt, wir merken gar nicht, warum wir nun Erregungssymptome,  wie Herzrasen, Zittern, Schwitzen oder Erröten, haben. Wichtig ist, zu begreifen, dass Erregung nicht immer automatisch Angst bedeutet. Wenn wir also vor einer Gruppe stehen und rot werden oder anfangen, zu zittern, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass wir uns fürchten, Angst davor haben, vor Menschen zu sprechen. Unsere Nerven sind möglicherweise lediglich sehr erregt, was auf die vielen Gesichter, Eindrücke, die ungewohnte, kennenzulernende Situation zurückzuführen sein kann. Und da unser Filter nun einmal mehr Feinheiten durchlässt, haben wir mehr zu verarbeiten, sind schnell überreizt.

Wie sich Hochsensibilität bei mir bemerkbar macht

So, das war nun etwas Theorie, um den Hintergrund darzustellen. Nun möchte ich etwas aus dem Nähkästchen plaudern, berichten, wie ich meine Hochsensibilität empfinde, weil es dann vielleicht für den Ein oder Anderen leichter fällt, sich darin wiederzuerkennen oder eben nicht.  (Wichtig ist hierbei: ich bin keine Ärztin oder Therapeutin. Es sind eigene Erfahrungen, die keine zuverlässige Diagnosemöglichkeit für die Leser*innen darstellt.)

Schmerzempfinden

Ich habe lange gar nicht wirklich wahrgenommen oder gekonnt ausgeblendet, dass ich sehr sensibel auf Schmerzreize reagiere. Schon als kleines Kind konnte ich es beispielsweise nicht ausstehen, wenn man mir die Haare kämmte, ließ niemanden da ran. Folglich verkletteten sich meine Haare übrigens einmal so sehr, dass wir schließlich samt verhakter Bürste zum Friseur mussten. Und bis heute gefällt mir diese Routine einfach nicht. Es ist schlicht weg zu unangenehm, als dass ich es gar mehrmals täglich über mich ergehen lassen würde.  Und nein, das täte sich nicht ändern, würde ich häufiger kämmen und dementsprechend Kletten vorbeugen. Selbst, wenn die Bürste fast glatt durchs Haar geht, löst dieses Gefühl Unbehagen aus. Ich kann es ganz schwer beschreiben. Treffen die Borsten dann doch einmal auf eine Klette, so steigen mir direkt Tränen in die Augen.  Außerdem reagiere ich auch sensibel auf Berührung, wenn mich beispielsweise jemand spielerisch, also gar nicht doll, am Arm packt. Das ruft das bei mir bereits Schmerzen hervor. Sogar, wenn ich mich selbst irgendwo kratze, schmerzt diese Stelle im Nachhinein. Ich reagiere außerdem empfindlich auf Druckstellen. Liege ich auf der Couch oder im Bett auf einer Falte in der Decke, halte ich das nicht lange aus. Wusstet ihr, dass Behauptungen existieren, die Prinzessin auf der Erbse sei hochsensibel gewesen?

Menschenmengen

Das ist für mich bis heute der schwierigste Part der Hochsensibilität. Zum einen, weil vielen Menschen Hochsensibilität kein Begriff ist. Sie bezeichnen einen als „Sensibelchen“, behaupten, dass man sich nicht so anstellen solle, dass das halt das Leben sei und man sich damit arrangieren müsse, man müsse es nur üben. Solche Meinungen sind es eben,  weshalb es HSP häufig sehr lange sehr schlecht geht. Weil sie ständig mit dem Gefühl leben, zu versagen, weil sie sich einfach nicht genug anstrengen würden. Das dachte ich auch sehr lange. Ich müsse mich einfach mal zusammenreißen. Das könne doch nicht angehen, dass andere Menschen Arbeit, Haushalt und Familie wuppen und ich nach einem Einkaufsbummel schlafen muss. Inzwischen weiß ich, dass ich tatsächlich nichts dafür kann. Es hat nichts mit meiner Zielstrebigkeit zu tun. Dennoch fällt es mir häufig schwer, das zu akzeptieren und zu vertreten. Und da wären wir wieder bei den Menschen, bzw. den Unternehmungen mit Menschen. Wenn ich mich in Menschengruppen befinde, und das können noch so tolle Freunde oder auch Familie sein – wenn ich mit Menschen zusammen bin, überrollt mich eine Welle von Reizen nach der anderen. Ich rieche ihre Parfüms, sehe ich Mimik und Gestik, höre ihr Gesprochenes, spüre Emotionen und mein Filter lässt so viele Feinheiten durch, differenziert so stark, dass ich, ohne dass ich es beeinflussen kann, irre viel verarbeite. Während ich versuche, dem Gespräch zu folgen und angemessen darauf zu reagieren, versteht sich. Je größer die Gruppe, desto größer zu Überreizung. Manchmal genügt bei mir ein gemeinsames Essen im Restaurant über zwei, drei Stunden und ich fühle mich absolut erschlagen danach.

Gedankenkarussell

Und wäre die ganze „Arbeit“ mit Beendigung der Situation erledigt, wäre das ja gut. Aber dies ist eben nicht der Fall. Wir HSP sind nicht nur schneller überreizt, wir benötigen halt auch viel mehr Zeit, um die Mehrzahl an Reizen zu verarbeiten. Ich liege viel wach und denk noch an Vergangenes, häufig raubt es mir den Schlaf. Insbesondere Situationen, die für mich unangenehm waren, lassen mich nicht los, ich würde sie so gerne erneut erleben, anders angehen. Andere sagen dann häufig „Ist doch jetzt vorbei, also egal. Kannst du doch eh nicht mehr ändern, was soll’s.“. Und ich würde das wirklich gerne auch so sehen, bin echt bemüht, aber es es setzt sich immer wieder in Bewegung, mein Gedankenkarussell. Das bedeutet übrigens auch, dass wir über Vieles sehr viel ausführlicher nachdenken, es analysieren und versuchen, es zu begreifen. Dieser Prozess hat nicht selten zur Folge, dass wir bei anderen, neuen Situationen offenbar aus dem Bauch heraus, intuitiv die richtige Entscheidung treffen.  Dabei geschieht  das dadurch, dass wir unterbewusst durch all das Denken und Grübeln über weitaus mehr Wissen verfügen, als wir bewusst wahrnehmen oder ausdrücken könnten.

Einzelgänger

Ich habe schon immer gerne viel Zeit für mich gehabt, mich viel zurückgezogen. Schon als Kleinkind habe ich regelmäßig mehrere Stunden Mittagsschlaf gemacht. Auch später als Schülerin habe ich nach der Schule erst einmal geschlafen. In der Schule war ich häufig eine Einzelgängerin, mich interessierten Menschengruppen nicht, ich verbrachte viele Pausen alleine oder mit einer Bezugsperson, wenn ich sie denn hatte. Abends mochte ich nicht feiern gehen, was ich noch mehr zur Außenseiterin machte, weil schließlich alle mit 16 feiern gingen, wo sie es doch endlich durften. Ich trank keinen Alkohol, ging nicht feiern, unternahm nicht viel mit Freunden. Ich las lieber, oder schrieb oder zeichnete und schlief halt. Heute kann ich das rückblickend verstehen und erklären, damals reflektierte ich das nicht weiter und war natürlich auch unwissend. Es gibt übrigens viele hochsensible Kinder, die sich selbst nicht gut zu helfen wissen. Es geht ihnen nicht gut, weil sie überreizt sind, das aber natürlich nicht begreifen können. Sie spüren nur, dass „etwas nicht stimmt, etwas doof ist“ und weinen, zappeln, schlagen um sich etc., weil sie eben nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen und sich hilflos fühlen. Ich selbst habe damit keine Erfahrungen, habe aber darüber gelesen.   Auch heute hat sich nicht viel geändert. Ich brauche meinen Mittagsschlaf, bin gerne abends auf der Couch, unternehme wenige „aufregende Dinge“. Wenn doch, dann plane ich mich bereits immer einen Tag „Pause“ dazwischen, an dem nichts außer der Reihe anliegt. Der Unterschied zu damals ist nur, dass ich inzwischen weiß, dass ich nichts dafür kann, weiß, wie es zustande kommt, mir selber dadurch Verständnis entgegen bringe und auch nahestehende Personen einweihe und informiere. Das ist mir anfangs nicht leicht gefallen und fühlt sich auch heute noch seltsam an, weil da immer noch ein kleines Teufelchen wohnt, dass leise flüstert „vielleicht bist du doch einfach schwächer als andere oder lässt dich zu sehr gehen, ruhst dich zu sehr auf einer angeblichen Hochsensibilität aus“. Aber dieses Teufelchen wird leiser. Denn ich habe so viel versucht und mich so sehr bemüht, dass die aktuelle Akzeptanz und entsprechende Anpassung meines Alltags gut durchdacht und eine absolute Wohltat ist.  Übrigens ist, wie bereits kurz angerissen, einkaufen für mich eine richtige Tortur. Da  prasseln so viele Reize auf mich ein, dass ich sogar schnell grantig und ungeduldig werde. Häufig macht sich die Hochsensibilität bei mir bemerkbar, indem ich müde, antriebslos und ruhig werde. Wenn jedoch zu viel in zu kurzer Zeit auf mich einwirkt, dann werde ich übellaunig. Das tut mir meist schon in dem Moment Leid, auch allen Beteiligten gegenüber, aber ich kann da nicht aus meiner Haut. Ich rede nur noch kurze Sätze, werde zynisch und vergreife mich auch mal im Tonfall.

Harmoniebedürftigkeit

Und das, obwohl ich grundsätzlich ein absolut harmoniebedürftiger Mensch bin. Ich mag es, wenn alle gut drauf sind, alle ausgeschlafen sind, keiner Hunger hat, keiner keinem was Böses möchte usw. Übrigens hatte ich als Jugendliche immer richtige  Schwierigkeiten damit, wenn andere Menschen müde waren. Ich wusste nicht wieso, bis ich heutzutage mutmaße, dass auch das auf meine Sensibilität zurückzuführen ist: ich spürte diese Müdigkeit und wusste, dass es dem anderen daher nicht so gut ging, konnte aber nichts dagegen unternehmen. Ich hab immer alle gebeten, bei bevorstehenden Events doch bitte noch Mittagsschlaf zu machen. Und bis heute lege ich viel Wert darauf, kann es aber inzwischen besser einordnen und gesitteter damit umgehen, mich da eher zurückhalten. Wenn auch mich die Stimmung anderer weiterhin und generell unfassbar stark beeinflusst. Ist jemand krank oder schlecht gelaunt, sinkt meine Laune und meine Motivation sofort. Ich möchte das nicht, möchte beispielsweise unabhängig von dem Befinden meines Partners einen produktiven, gut gelaunten Tag haben können, aber es gelingt mir zumeist nicht.  Dieses Bedürfnis nach Harmonie hat allerdings auch zur Folge, dass ich Konflikten gerne ausweiche. Ich bin nicht der Mensch, der anderen mit ihren Untaten oder Fehltaten konfrontiert, ich bin nicht rebellisch. Ich mag das Gefühl nicht, dass mir jemand vielleicht böse sein könnte, selbst, wenn ich weiß, dass es moralisch angebracht wäre, sich aufzubäumen oder auf etwas hinzuweisen. Es ist mir nicht wichtig, dass alle mich mögen, aber man soll mich nicht nicht mögen. Versteht ihr, was ich meine? Ich halte mich gerne zurück und sorge still und leise dafür, dass der Haussegen nicht schief hängt.  Was allerdings nicht bedeutet, dass ich nicht streiten kann. Im Gegensatz zu normal sensiblen Menschen, nehme ich nämlich bestimmte Schwingungen unbewusst und sehr frühzeitig wahr, kann die Stimmung meines Gegenüber recht zuverlässig analysieren und intuitiv sehr bedacht formulieren, was ich in einem Streit zum Ausdruck bringen möchte. 

Der Alltag

Durch die stark differenzierten Reize und die dadurch fixe Überreizung treiben mich häufig auch schon augenscheinlich kleinste Dinge im Alltag (zumindest innerlich) zur Weißglut. Klapperndes Geschirr, mehrere Geräuschquellen gleichzeitig (bspw. irgendwo ein Radio und dann der TV oder ein Video auf dem Handy, zeitgleich sprechende Menschen), schnelles Sprechen, ständiges Pfeifen von Liedern, lautes Kauen oder lautes Gehen, verbrauchte Luft, in meinen Ohren nervige Lieder, zu laut eingestellte Fernseher, Schaben mit Geschirr über Teller oder Brettchen, ständiges Hochziehen und Vieles mehr zählt dazu, was Andere vermutlich gar nicht bewusst wahrnehmen. Wenn’s all zu doll wird, bekomme ich kurz so ne „Boooooah, lass es“- Attacke, aber in den meisten Situationen habe ich mich inzwischen sehr gut im Begriff, weil ich mir immer wieder vor Augen führe, dass sie es nicht merken (und auch gar nicht merken können) und schon gar nicht mit Absicht machen.

Die Vorzüge einer hochsensiblen Wahrnehmung

Nun hört das zunächst einmal sehr ernüchternd an. Schnell überreizt, viel Zeit für sich, viel Schlaf und so weiter. Was bitteschön soll denn positiv daran sein, hochsensibel zu sein?! Das ist auch nicht ganz so einfach zu beantworten und hängt immer sehr stark mit der zu beurteilenden Situation zusammen.  Die Arbeitswelt möchte häufig taffe, pseudosensible Menschen, die zwar mitfühlend wirken, aber nicht genug Empathie besitzen, als dass es ihnen schwer fallen würde, Mitarbeiter zu feuern, auf andere Fehler hinzuweisen, eigene Unternehmensfehler zu vertuschen (was uns schwer fällt, da wir häufig sehr gewissenhaft sind und schlecht lügen können), gewinnbringende Arbeit zu leisten, ohne Rücksicht auf Verluste.  Und auch der Alltag fordert uns so einiges ab. Wir sollen arbeiten, die Kinder behüten und erziehen, den Haushalt erledigen. Wo um alles in der Welt hat eine HSP da einen passenden Platz in dieser Welt? Im Grunde überall. Wir haben mit unseren Eigenschaften gewisse Talente, die nur noch zu selten angemessen wertgeschätzt werden. Das ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass lediglich schätzungsweise 20 % der Gesellschaft hochsensibel sind, und der Begriff leider häufig noch mit Schwäche und anderen negativen Komponenten behaftet ist.  Noch schwerer haben es da übrigens hochsensible Männer.  Aber wir sind eigentlich sehr gute MitarbeiterInnen, gerade weil wir sehr gewissenhaft sind und unsere Aufgaben auch dementsprechend erledigen. Wir können uns unfassbar gut konzentrieren (ohne Ablenkung), lernen schnell, manchmal ohne den Lernprozess wahrgenommen oder begriffen zu haben, erkennen mögliche „Katastrophen“ aufgrund der vielen Feinheiten, die unser Filter durchlässt, im Voraus und wissen, wie wir sie umgehen können. Aufgrund unserer Feinfühligkeit können wir emotionale Schwingungen gut wahrnehmen, Mitarbeiter entsprechend auffangen und motivieren. Häufig sind wir Frühaufsteher und schnell bereit, Leistung zu erbringen. Außerdem unterliegt unser Nervensystem größtenteils der Steuerung durch die rechte Gehirnhälfte, weshalb wir sehr kreativ sind.  Und wir brauchen solche HSP, Menschen, die Irrtürmer erkennen und wissen, wie man sie aufdeckt, die im Hintergrund mit Bedacht verfolgen, analysieren und handlungsfähige Schlüsse daraus ziehen, die sich selbst und andere auf Gefahren hinweisen können, weil sie diese frühzeitig identifizieren (intuitiv spüren) können. Es braucht im Grunde beide – jene, die vorpreschen, sich ins Getümmel stürzen, angreifen, wagen, den Weg frei schaufeln, aber halt auch jene, die Vergangenes reflektieren, Auswege bedacht und mit dem unbewussten Wissen auf Grundlage der vielfältigen, „ungefilterten“ Differenzierungsmerkmale planen und organisieren, empathisch sind und zwischenmenschliches Miteinander sowie andere, augenscheinlich im Hintergrund ablaufende Prozesse pflegen*.  Ganz egal, wie sensibel man nun ist, wie groß das Loch im Filter ist, sollten wir lernen, es zu akzeptieren und uns auf unsere Qualitäten konzentrieren, es vielleicht als ‚normal’ zu betrachten, auch wenn es im Vergleich der Mehrheit der Menschheit nicht so wirkt. Wir sind es schließlich trotzdem – normal! Beziehungsweise, wer will denn eigentlich schon normal sein?!  Besser wäre auch hier eine neutrale Sichtweise, wie es auch im Hinblick auf den Körper (Stichwort Körperneutralität) vermehrt hervorgehoben wird. Auf jeden Fall bist du stark, die Hochsensibilität macht dich nicht schwächer und nicht „schlechter“ als normal sensible Menschen und du hast das Recht darauf, deine Gesundheit aufrechtzuerhalten (, denn Hochsensibilität ist KEINE Krankheit!) und alle dafür nötigen Maßnahmen in deinen Alltag zu integrieren. Einige gehen auf Konzerte und Feiern, um Spaß zu haben und gute Laune zu bekommen. Wir machen es uns mit der gleichen Intention halt auf der Couch gemütlich. So betrachtet erscheint doch nichts davon verkehrt.

Quellen

– Aron, Elaine, N. (2018): Sind die hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, versehen und nutzen. München: mag Verlag.
– Sellin, Rolf (o.A.): Wenn die Haut zu dünn ist: Hochsensibilität – vom Manko zum Plus. München: Kasel-Verlag.  

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