Hochsensibilität – eine kurze Definition

Inhaltsverzeichnis

Eine kurze Definition

Das Gehirn von hochsensiblen Menschen verarbeitet mehr Reize als das Gehirn weniger sensibler Menschen. Das hat zur Folge, dass Hochsensible wesentlich mehr bewusst wahrnehmen als andere. Bekannt ist die Beschreibung eines Filters für eine bildhafte Vorstellung: Der Filter einer hochsensiblen Person lässt wesentlich mehr Reize durch, die dann wahrgenommen werden, als es bei anderen Menschen der Fall ist. Ich würde sagen, der Filter einer normal sensiblen Person ist vergleichbar mit einem feinen Puderzuckersieb, während der Filter von Hochsensiblen eher einem groben Nudelsieb gleicht. Noch näher kommt für mich der Vergleich mit einem Loch im Filter, weil diese Auffassung sensibler mit Erklärung “Sortierung nach wichtig und unwichtig” umgeht.  

Hochsensibilität ist keine Krankheit und wird von Ärzten nicht attestiert. Es wird stattdessen als Phänomen bezeichnet. Wer überlegt, ob er hochsensibel sein könnte, kann sich dennoch ein Hausarzt oder Psychotherapeuten wenden, da diese ggf. anhand von Beschreibungen Tendenzen feststellen können. Es gibt inzwischen auch etliche Selbsttests, einige davon sind sehr differenziert und aus meiner Sicht empfehlenswert, andere eher oberflächlich und wenig aussagekräftig.

Eine Diagnose gibt es aktuell aber nicht. Ich stehe mit vielen hochsensiblen Menschen in Kontakt und fast alle haben gemeinsam, dass sie bei der Recherche zum Thema Hochsensibilität große “Aha-Momente” hatten. Ich glaube, wenn man hochsensibel ist, spürt man das. Man kann sich, wenn man herausfinden möchte, ob man hochsensibel ist oder nicht, auch eine Zeit lang damit beschäftigen, sein Leben oder einige Bereiche an die (noch) Vermutung anpassen, indem man z.B. Tricks anwendet, um der Reizüberflutung nicht zu “erliegen”. Wenn man dann eine Verbesserung seines Zustandes feststellen kann, liegt die Vermutung zumindest schon einmal sehr nahe, dass man tatsächlich hochsensibel ist.

Unterschiedliche Arten von Hochsensibilität

Nicht alle hochsensiblen Menschen sind auf die gleiche Weise hochsensibel. Zum einen kann das Phänomen ohnehin mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Zum anderen gibt es unterschiedliche Bereiche, in denen jemand sensibler empfindet. Man unterscheidet grob die sensorische, die emotionale und die kognitive Sensibilität. In einem dieser Bereiche besonders sensibel zu sein, schließt eine Sensibilität in anderen Bereichen nicht aus.

Sensorische Sensibilität

Sensorisch sensible Menschen reagieren besonders auf Sinneseindrücke. Sie nehmen Gerüche, Farben, Geräusche und Licht besonders stark wahr.

Emotionale Sensibilität

Emotional sensible Menschen haben eine Antenne für feinste Schwingungen im zwischenmenschlichen Miteinander. Sie gelten als sehr emphatisch, aufmerksam und hilfsbereit. Häufig sagt man ihnen nach, sie hätten eine gute Intuition und seien gute ZuhörerInnen.

Kognitive Sensibilität

Kognitiv sensible Menschen legen viel Wert darauf, dass bspw. Dinge, Handlungen, Beschaffenheiten oder Prozesse logisch sein, sortieren für sich direkt nach “wahr” und “falsch” und können komplexe Sachverhalte schnell er- und begreifen.

Hochsensibilität ist nicht gleich Sensibilität

Hochsensibilität ist eine neurologische Beschaffenheit und hat nichts mit der Sensibilität im Bezug auf emotionalen Fähigkeiten zu tun. Menschen, die hochsensibel sind, können dennoch unsensibel im Umgang mit ihren Mitmenschen sein. Und genau so ist es auch umgekehrt. Sprechen wir von weniger sensiblen Menschen im Bezug auf Hochsensibilität, beziehen wir uns immer auf das neurologische Phänomen und schließen damit nicht aus, dass solche Menschen zu einem sensiblen Miteinander in der Lage sind.

Info am Rande

Dieser Text soll der Aneignung sachlicher Informationen zum Thema “Hochsensibilität” dienen. Stärken und Schwächen des neurologischen Phänomens wurden bewusst außen vor gelassen. Lies dafür gerne meinen Beitrag  “Das Loch im Filter” , in dem ich auch auf eigene Erfahrungen eingehe.

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